Eine aktuelle Studie zeigt: Der größte Bremsklotz ist nicht Unwissen, sondern das Gefühl, eh nichts bewirken zu können.
Viele Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz machen sich ehrliche Sorgen ums Klima. Sie lesen die Schlagzeilen, sie wollen etwas tun und trotzdem ändert sich im Alltag oft wenig. Woran liegt das?
Forscher der Brock University in Kanada haben genau das untersucht. Ihre Studie (Pickering & Dale, 2024, veröffentlicht in Canadian Geographies) zeigt: Der stärkste Faktor, der Menschen davon abhält zu handeln, ist nicht fehlendes Wissen. Es ist das Gefühl von Ohnmacht – das Empfinden, dass die eigenen Handlungen sowieso nichts verändern.
„Was kann ich als Einzelne schon ausrichten?“
Genau dieser Gedanke ist es. Die Studie befragte 336 Erwachsene zu ihren Einstellungen, Gewohnheiten und inneren Hürden rund ums Klima. Ergebnis: Wer sich ohnmächtig fühlt, handelt seltener – unabhängig davon, wie ernst er oder sie die Lage einschätzt.
Das ist psychologisch gut erklärbar: Wenn wir glauben, dass unsere Handlung keinen Unterschied macht, verliert sie ihren Sinn. Das demotiviert uns – selbst dann, wenn wir das Problem für real und dringend halten.
Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen: wie gut informiert man sich fühlt, wie ernst man die Lage einschätzt, wie dringend man Handlungsbedarf sieht – und ob man dem Thema grundsätzlich skeptisch gegenübersteht.
Wer ist besonders betroffen?
Die Forschenden fanden heraus, dass jüngere Menschen besonders häufig dieses Ohnmachtsgefühl berichten. Nicht weil sie sich nicht kümmern, sondern weil sie oft nicht wissen, was konkret zu tun ist. Sie kennen das Problem, aber keine handfesten Schritte.
Auch Menschen ohne politische Bindung zeigten mehr Ohnmacht – vermutlich, weil sie das Gefühl haben, keinen Einfluss auf größere Strukturen nehmen zu können.
Was das für uns bedeutet
Als Psychologin erlebe ich das regelmäßig: Viele Menschen fühlen sich beim Thema Klima innerlich gelähmt. Nicht gleichgültig, sondern überfordert und klein. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Wer das Ohnmachtsgefühl versteht, kann gezielt daran arbeiten:
- Konkrete, kleine Schritte machen den Unterschied spürbar – Recycling, weniger Fleisch, Zug statt Fliegen
- Gemeinschaft hilft – wer sieht, dass andere ebenfalls handeln, fühlt sich weniger allein
- Wissen über Wirksamkeit stärkt das Gefühl von Handlungsfähigkeit
Der Schlüssel liegt nicht darin, Menschen noch mehr Fakten über den Klimawandel zu geben. Er liegt darin, ihnen das Gefühl zu geben: Ich kann etwas tun. Und es zählt.
Dieser Artikel basiert auf der Studie: Pickering, G. J., & Dale, G. (2024). The role of perceived powerlessness and other barriers to climate action. Canadian Geographies / Géographies canadiennes, 68, 560–573.